7 Tipps, warum die Farbe Schwarz für Procion MX-Färbungen so wichtig ist

Farbreihe mit Procion MX Schwarz

Warum die Farbe Schwarz so interessant ist, erkennst du, wenn du eine winzige Prise des Farbpulvers auf einem nassen Küchenpapier stäubst. Wenn sich die Partikelchen auf dem feuchten Untergrund auflösen und verbreiten, wird sichtbar, dass sich diese Farbe aus vielen unterschiedlichen Einzelfarben zusammensetzt. Kaltes und warmes Rot, Gelbvarianten und vor allem Blautöne. Man kann fast von einer kleinen Farbexplosion sprechen.

Übrigens: Wenn Procion MX Schwarz nach dem üblichen Rezept angelöst wird, bekommst du ein Anthrazit. Um ein tiefes Schwarz zu erhalten, brauchst du die doppelte Menge Farbe. Für die 7 Tipps unten reicht Anthrazit aus – also einfach wie üblich anlösen.

Kaltes und warmes Schwarz

Die Farbtöne vom Hersteller JACQUARD umfassen nicht nur ein kaltes Schwarz, sondern sogar ein warmes, das eine wirklich schöne Mischung ist zwischen Braun und Anthrazit.

Ich liebe sie als Einzelfarbe, habe sie aber noch nicht systematisch für Mischungen untersucht. Wenn ich im Folgenden von Schwarz spreche, meine ich „Jet Black“, das kalte Schwarz.

Kaltes Schwarz ist blaulastig

Damit das kalte Schwarz tatsächlich als kalt wahrgenommen wird, enthält es einen großen Anteil an kalten Blautönen. Es ist also keine neutrale Farbe, wie man denken könnte, und das ist vor allem zu sehen, wenn man diese Farbe langsam heller bzw. transparenter macht. Durch Abnahme der Farbmenge und Zugabe von Wasser wird die Farbe nicht nur heller, sondern ändert auch noch den Farbton.

Tipp 1: Mit Schwarz erweiterst du deine Grünpalette

Dass Gelb und Blau Grün ergibt, wissen wir alle. Aber dass Gelb und eine winzige Prise Schwarz tolle Grünnuancen ergibt, ist nicht ganz so verbreitet.

Oben siehst du eine Procion-Farbtafel, die Grüntöne zeigt, die durch unterschiedliche Mischungsanteile von Schwarz, Zitronengelb und Verdicker entstehen.

Tipp 2: Mit Schwarz erweiterst du deine Graupalette

Diese Aussage erscheint nicht weiter ungewöhnlich. Klar, wenn man zu einer bestimmten Menge Schwarz immer mehr Anteile an Wasser hinzugibt, wird die Farbe heller und transparenter, und du kannst dadurch eine Farbreihe von unterschiedlichen Grautönen entdecken. Aber nie ein neutrales Grau ohne Farbstich. Das haben wir auf der Abbildung oben schon gesehen.

Durch die Zugabe von Wasser ergibt sich immer wieder ein neues Mischungsverhältnis im Schwarz. Die Farbpigmente, die am geringsten vertreten sind, verschwinden am schnellsten. Die, die am stärksten vertreten sind, halten am längsten durch. So erreichst du immer wieder neue Grautöne.

Wie aber kommst du zu einem neutralen Grau? Indem du den Trick mit den Komplementärfarben anwendest. Ein rot stichiges Grau neutralisierst du durch Zugabe der Komplementärfarbe Grün (die ja aus Gelb und Blau besteht). Wie viel du jeweils beimischen musst, um das Grau zu neutralisieren, muss man ausprobieren.

Tipp 3: Mit Schwarz lassen sich zu stark leuchtende Farben brechen

Farbmischungen lassen sich am besten mit Grundfarben herstellen, die kühl und leuchtend sind. So hergestellte Farbpaletten strahlen intensiv, spenden Energie und machen gute Laune.

Mit einer Spur von Schwarz (und es reichen meist wirklich kleine Mengen!) kann man sie schnell abdunkeln (das nennt man „brechen“). Brechen kann man zwar auch durch Zugabe von kleinen Mengen der entsprechenden Komplementärfarbe, aber mit Schwarz geht das zügiger und ohne große Überlegung. Mit nur einer einzigen, zusätzlichen Farbe erstellst du dir eine ganze weitere Farbpalette!

Pastelltöne, die durch Zugabe von Wasser oder Verdicker erreicht werden, erscheinen oft sehr süß, z.B. das Rosa einer verdünnten Magentafärbung, andere wirken oft flach.

Mit einer sehr kleinen Prise Schwarz werden solche Färbungen komplexer und tiefer („Dusty Pastels“). Darunter versteht man leicht abgetönte oder puderige Pastellfarben, bei denen das Zuckersüße der üblichen Pastellfarben gebrochen und ein heller, etwas rauchig erscheinender Farbton gemischt wird.

Tipp 4: Eine eigene Lieblingsfarbe mithilfe von Schwarz mischen

Petrol ist solch eine Farbe. Alle lieben sie, aber oft ist sie in Farbpaletten gar nicht enthalten. Ein anderes „Problem“ von Petrol: Fast jede von uns hat eine andere Vorstellung, wie diese Lieblingsfarbe aussieht. Teste Folgendes: Geh von Türkis aus, füge eine kleine Prise Zitrone hinzu und experimentiere mit unterschiedlichen Winzigkeiten von Schwarz.

Ähnlich verhält es sich mit der Farbe Bordeaux. Wie dunkel soll die Farbe sein? Besteht die Grundlage aus einem warmen Rot oder aus einem kühlen oder vielleicht sogar aus einer Mischung von beiden? Die kleine Prise Schwarz nicht vergessen – erst sie macht daraus ein Weinrot.

Tipp 5: Splitfärbung mit Schwarzmischungen

Procion MX-Färbungen sind für ihre ausdrucksvollen Marmorierungen bekannt, die mit Mischfarben unter bestimmten Bedingungen entstehen können, indem sich die Einzelpigmente auf dem Stoff trennen. Es entsteht keine gleichmäßige Färbung, sondern faszinierende Muster, Ränder und Farbschattierungen.

Diese Effekte entstehen dadurch, dass Pigmente auf dem Stoff unterschiedlich schnell wandern. Schwere Pigmentmoleküle bewegen sich langsamer als leichte.

Grundfarben, die nur aus einem Pigment bestehen (Beispiel Türkis), können diesen Effekt nicht hervorbringen. Mischt man aber eine multicolor Farbe, wie zum Beispiel Schwarz hinzu, kann man, sofern die anderen Bedingungen wie geeigneter Stoff, wenig Wasser usw. gegeben sind, faszinierende Splittings bewundern.

Tipp 6: Splitfärbung mit Ice Dyeing

Eisfärbungen sind ein erstaunlicher Vorgang! Kurz beschrieben geht es darum, dass ein mit Soda vorbehandelter Stoff dicht mit (zerschlagenen) Eiswürfeln bedeckt wird, die mit trockenem Farbpulver bestreut werden.

Optimal für diese Technik sind Farbmischungen, wie z.B. Schwarz. Während das Eis schmilzt, lösen sich die Pigmente der Farbmischung zu verschiedenen Zeiten und wandern unterschiedlich weit in die Fasern. Das Schwarz löst sich dann in aquarellartige Gelb, Blau und Rosatöne auf dem Stoff auf.

Tipp 7: Musterbetonung bei Tray Dyeing

Eine der experimentellen Färbungen, für die Procion MX berühmt ist, ist das Tray Dyeing (Leslie Morgan, Claire Benn), bei der feuchter Stoff in einem Tablett ähnlichen Behälter fein gefaltet und dann mit verschiedenen Farben übergossen wird.

Die Farben werden einmassiert, wodurch sich wunderbare Farbfelder und Farbübergänge ergeben.

Ein Trick, diese Farbmusterungen noch mehr zu betonen, besteht darin, etwas Schwarz in die behandschuhte Hand zu nehmen und über die Oberfläche des feuchten Stoffs zu streichen. Verwendest du für diesen Kunstgriff Anthrazit (also das normal angelöste Schwarz), erreichst du eine eher sanfte Betonung der Faltung. Mit konzentriertem, angelösten Schwarz (doppelt angelöstem Schwarz) wird die Betonung dramatischer.

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