Mit Procion gefärbte Stoffe zeigen oft wunderbare Farbmuster, die ein wenig an Kristalle erinnern – dafür sind diese Färbungen berühmt. Manchmal handelt es sich bei den Mustern nur um Hell-Dunkel-Effekte, oft aber treten sogar Muster in unterschiedlichen Farben auf. Wie kommen diese nur in den Stoff?
Procion MX-Farben gehören zu den Reaktivfarben
Procion-Farben bekommt man nur als Farbpulver. Diese Farben gehören zur Gruppe von Reaktivfarben, die zur Fixierung keine Hitze benötigen, sondern mithilfe von Soda fest an die Faser gebunden werden. Gefärbt werden Pflanzenfasern (Baumwolle, Leinen, Ramie, Viskose und ähnliche) sowie Seide (vor allem Bouretteseide wird wunderbar!). Mit einem Döschen (ca. 18g) lassen sich etwa 500g Stoff (Trockengewicht) färben.
Gleichmäßige Färbungen erzielt man, wie bei anderen Farbtypen auch, indem der Stoff in einem großen Topf mit viel Flüssigkeit und unter ständigem Rühren bewegt wird. Gibt man den Stoff bereits feucht in den Färbetopf, zieht die Farbe besonders schnell und gleichmäßig auf.

Was passiert, wenn man ganz anders färbt?
Was passiert, wenn man das ganz anders macht? Also einen trockenen Stoff in einem so kleinen Behälter färbt, dass er gerade so hineinpasst, wenn man ihn stopft, und mit gerade so viel Färbeflüssigkeit, dass er bedeckt ist? Und ihn dann nicht mehr bewegt? Diese Technik nennt man Low Water Immersion Dyeing, auf Deutsch nennen wir das die „Wenig-Wasser-Färbung“.
Basisfarben und gemischte Farben
Es gibt verschiedene Hersteller für Procion MX, die alle dieselben Basisfarben verwenden, um ihre individuellen Mischfarben herzustellen. Der Hersteller JACQUARD, der sicherlich in Europa am stärksten vertreten ist, bietet in seiner großen Farbskala 12 Basisfarben an, sowie 31 gemischte Farbtöne.
Nur mit gemischten Farbtönen ist es möglich, Färbungen herzustellen, bei denen sich einzelne Farben in Mustern aufteilen. Solche Farbmischungen kann man selbst herstellen oder aber kaufen. Wir haben unsere bisher angebotene Farbskala um die Farbtöne erweitert, von denen JACQUARD sagt, dass sie die besten Splitfärbungen ergeben (LINK)
Splitfärbungen
Splitting ist eine Technik, die sich beim Färben zunutze macht, dass Farbmischungen aus unterschiedlichen Einzelpigmenten bestehen, die sich unter bestimmten Bedingungen aus dem Stoff trennen.

Pigmente sind verschieden groß und wandern mit unterschiedlicher Geschwindigkeit durch den Stoff. Das macht sich die Technik der Splitfärbung zu Nutze, wenn sie mit Farbmischungen arbeitet. Schon mit einer einzigen Mischfarbe lassen sich faszinierende Stoffmuster herstellen, wobei Prozess und Muster nur bis zu einem gewissen Grad steuerbar sind.
Nur mit Mischungen lassen sich Splitmuster herstellen
Mit Basisfarben, die aus einem einzigen Pigment bestehen, lassen sich keine Splits herstellen, höchstens dezente Hell-Dunkel-Muster. Viele Blautöne sind Basisfarben. Aber sobald diesen eine kontrastierende blaue Farbe beigemischt wird, oder ein Schwarz oder Braun oder Rot, lassen sich schöne Splitmuster beobachten. Basisfarben sind in unserem Procion-Angebot durch ein Sternchen (*) besonders gekennzeichnet (LINK).
Eine besondere Rolle nehmen die beiden Basisfarben Fuchsia und Türkis ein. Mischungen mit diesen Komponenten ergeben fantastische Splits! Auch die Farbtöne, die JACQUARD für Splitfärbungen empfiehlt, enthalten oft eine dieser beiden Farben, manchmal sogar beide. Durch Zugabe von kleinen Mengen von Schwarz oder Schokoladenbraun lassen sich ebenfalls schnell selbst splitbare Mischungen herstellen.
In der Dunkel-Hell-Reihe oben auf dem Foto mit dem selbst gemischten Farbton sieht man in der Realität bei der dunkelsten Färbung einen Split von türkisfarbenen Feldern. Dies hat das Foto leider nicht eingefangen.
Empfohlene Farbmischungen

Diese Farbmischungen ergeben, wenn die anderen Bedingungen stimmen (wir kommen gleich darauf zurück), wunderbare Splitmuster, ganz ohne eigenes Mischen.
Bedingungen für gute Splitmuster

Wie oben schon angeführt: Wichtig ist die richtige Farbmischung. Besonders gut sind Splits zu beobachten, sobald die Mischung nicht mehr ganz so intensiv ist.
Es muss der richtige Stoff sein: dicht gewebt mit glatter Oberfläche und auf keinen Fall zu dünn! Ideal für Splitmuster ist unser Baumwollsatin (LINK), weil er beim Einbringen in das Gefäß schöne, kräftige Falten gibt. Bei einem dünnen Stoff, wie z.B. Voile oder Pongéseide, wandern die Pigmente zu schnell durch alle Falten hindurch.
Ein trockener Stoff ergibt bessere Splits. Deshalb am besten den Stoff mit Soda vorbehandeln und trocknen lassen. So müssen sich die Pigmente durch trockenen Stoff kämpfen, und einige werden durch Falten gestoppt.
Die richtige Technik für gute Splitmuster
Das richtige Gefäß, nicht zu groß und nicht zu klein, ist eine wichtige Voraussetzung. Die oben gezeigten runden Vorratsdosen gab es vor vielen Jahren beim Möbelschweden. Sie sind von Größe und Form ideal für eine Färbung von Baumwollsatin ca. 50*50cm. Von dort aus setzen wir den Stoff nach etwa 1-2 Stunden mit möglichst wenig Bewegung in eine Plastiktüte (aber nur, wenn die Dosen direkt weiter verwendet werden sollen. Sonst belassen wir sie bis zum Auswaschen dort).
Das Aufbringen der Farbe spielt eine große Rolle! Wir arbeiten bei Low Water Immersion immer mit gelösten Farben. Beispielsweise kann man den Stoff in die Farbmischung drücken (wobei entweder der ganze Stoff eingetaucht wird oder man drückt nur einen Teil des Stoffs in die Farblösung und lässt andere Teile die Farbe vollends aufsaugen). Man kann Stoff mit der Farblösung übergießen, entweder vollständig oder teilweise. Die Bestandteile einer eigenen Mischung können mit einer Pipette nacheinander aufgetragen und erst spät miteinander vermischt werden. Und so weiter und so weiter … es gibt da unendlich viele Möglichkeiten, die immer wieder völlig andere Muster bringen.
Lange Ruhezeit: Am besten, Stoff und Farbe haben ausreichend Zeit, sich miteinander zu verbinden. Auf alle Fälle über Nacht, gerne auch einen Tag länger. Vor allem bei Türkis ist das wichtig, aber auch für alle anderen Blautöne. Der Blaubereich wandert langsam, der Rotbereich dagegen besonders schnell und die Gelbtöne mittel schnell. Bei warmen und heißen Raumtemperaturen geht alles schneller, aber auch da solltest du dem Türkis seine Zeit geben.
Noch eine andere Technik für Splitting – die Sandwich-Methode

Es gibt noch eine weitere Methode, mit der sich selbst hergestellte Mischungen für tolle Splittingeffekte ergeben. Dazu braucht man ein hohes Gefäß, in das nacheinander feuchte, sodagetränkte Stoffstücke gepresst werden. Schritt-für-Schritt werden unterschiedliche gelöste Procion-Farben oder manchmal auch nur Sodawasser vorsichtig von der Seite her oder von oben her eingegossen, und zwar nur sehr wenig. Gleichzeitig wird mit der Hand (Handschuhe!) stark von oben gepresst. Es wird tatsächlich nur sehr wenig Farbe verbraucht bei gleichzeitig intensiven Färbungen (siehe zweites Bild von oben) – ein ideales Verfahren für Resteverwertung! Beim Beispiel oben hatte ich Goldgelb, Magenta und Türkis verwendet.
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