Berliner Blau (oder auch Preußisch Blau) ist das tiefblaue, lichtechte Pigment, das im Zusammenspiel von zwei Eisenverbindungen unter UV-Lichteinfluss entsteht. Die bekannteste Anwendung ist die Cyanotypie, ein fotografischer Druck mittels Auflage von Pflanzen, Gegenständen oder gestalteten Folien. Weniger gebräuchlich ist heutzutage das Färben mit Berliner Blau.
Das war früher anders, denn das Pigment war einfach und preiswert herzustellen und erlangte schnell Bedeutung für Malerei und die Färberei von Uniformen. Heute wurde es von uns wieder entdeckt als die vielleicht schnellste, einfachste und vielseitigste Möglichkeit, individuelle blaue Stoffe für kreative Zwecke herzustellen.
Vorbereitung

Man braucht weder eine Hitzequelle noch eine besondere Fixierung, und auch komplizierte Anweisungen, wie das bei Küpenfärbungen der Fall ist, kann man vergessen.
Die beiden Metallsalze (Ammoniumeisen(III)-Citrat (grüne Komponente) und Kaliumhexacyanidoferrat (III) (rote Komponente) lösen sich in kaltem Wasser blitzschnell auf. Erst beim Zusammenfügen der beiden Lösungen beginnt die Farbe zu reagieren, sobald sie mit UV-Licht in Kontakt kommt. Aber in einem dämmerigen Raum kann man in Ruhe arbeiten. Hier geht es zur Grundanleitung
Färben und Auswaschen
Leichte Stoffe taucht man in den Mix ein und drückt sie aus. Mittlere bis schwere Stoffe oder auch T-Shirts werden mit einem getränkten Schaumstoffpinsel eingestrichen. Dann wählt man die gewünschte Färbe- oder Druckmethode aus und setzt den Stoff der Sonne aus. Kleinere Formate, z.B. DIN A4 bis DIN A3, kann man sogar unter der Höhensonne in nur 7 Minuten färben.

Anschließend wird nur noch in kaltem Wasser ausgewaschen. Das sollte sorgsam geschehen, denn für einen schönen Kontrast zwischen weißer Reservierung und blauer Färbung muss die nicht belichtete Farbe unter den Reservierungen entfernt werden. Kleinere Stoffstücke einfach in einem Malereimer, größere unter fließendem Wasser oder in der Waschmaschine (Aber Achtung: Es dürfen sich keine Waschmittelreste in der Maschine befinden! Berliner Blau ist Alkali-empfindlich!).
Blitzschnell!
Wenn man weiß, was man möchte und alles vorbereitet ist, kann man an einem Vormittag einen Korb voller einzigartiger Stoffe herstellen – ideal zum Beispiel für textile Collagen, kleine Nähprojekte und Art Quilts.
Eigentlich möchte man den kreativen Prozess ja in Ruhe genießen! Aber bei unserem letzten Cyanotypiekurs haben sich die Teilnehmerinnen gegenseitig mit dem kreativen Fieber angesteckt. So viele fantastische Einfälle und tolle Ergebnisse in so kurzer Zeit habe ich selten gesehen!
Stoffe in klassischem japanischem Stil

Das Berliner Blau ähnelt Indigo-Färbungen, hat aber – wie oben schon gesagt – den Vorteil, dass die Färbung besonders einfach durchzuführen ist.
Wir wollen am 02. September einen Tageskurs anbieten, in dem wir Stoffe in japanischem Stil mit Berliner Blau färben und drucken. Hier geht es zu den Kursen
Kleine Stoffstücke im Format DIN A4, aber möglichst vielgestaltig. Ich denke zum einen an Shibori-Varianten, zum anderen an einige klare Muster wie Streifen und Pünktchen, vor allem aber an selbst entworfene Muster, die wir mit handgezeichneten Folien auf die Stoffe drucken werden. Ich freue mich schon jetzt auf die Vielfalt der Motive, die an den beiden Folgetagen zu einem textilen Buch im Stil von Boro kombiniert werden, mit alten Lieblingsstoffen und Slow Stitch.
Falls Ihr teilnehmen möchtet: Hier geht es zu den Kursen
Danke für die Inspiration,
aber wie wasche ich die Stoffe denn dann? Oder kann ich sie irgendwie fixieren? oder ist daw nur für selten genutzte Stoffe?
So viele Fragen…..
Vielen Dank im Voraus für die Beantwortung!
Vielen Dank für deine Fragen! Manchmal vergisst man das Entscheidende …
Ausgewaschen wird der Stoff in klarem, kalten Wasser dann, wenn die Belichtung ausreichend war (es blaut beim Trocknen immer noch mal etwas nach). Das Auswaschen der nicht belichteten Farbreste dauert etwa 10 Minuten. Wir machen das in einem Malereimer und bewegen den Stoff dabei. Dann liegend trocknen lassen. Nun ist der Stoff licht- und waschecht.
Waschecht bedeutet, dass er nur mit einem Colorwaschmittel (ph-neutral) gewaschen werden darf, da die Farbe sensibel auf Alkali reagiert. Ein normales Waschmittel bleicht den Druck aus. Er ist dann zwar noch (fast unsichtbar) vorhanden und kann mit einem starken Tee wieder aufgerufen werden. Jetzt aber in Braun und nie wieder in Blau.