Warum Cyanotypie auch für Stoffbegeisterte interessant ist

Die Technik der Cyanotypie begeistert Kreative immer wieder aufs Neue! In den sozialen Medien sieht man die meisten Beispiele für Cyanotypie auf Papier. Dabei vergisst man oft, dass die blauen Drucke gerade für Stoffbegeisterte besonders interessant sind.

Im Folgenden besprechen wir, warum Cyanotypie gerade für Stoffbegeisterte interessant ist und welche Besonderheiten dabei zu beachten sind. Am Ende des Artikels findest du Links zu Informationen und Material und zwei Workshops in Mannheim und auf der NADELWELT in Karlsruhe.

Warum empfehlen wir die Cyanotypie für Stoffbegeisterte?

  • Weil diese Technik so unglaublich viele kreative Möglichkeiten bietet! Von Pflanzenauflagen über Folien mit Fotografien, von selbst gestaltete Folien bis hin zu Färbetechniken für Stoffgestaltung, z.B. Shibori und Batik … alles in diesen wunderbar poetischen Blautönen. Und sogar drucken und malen lässt sich mit der angedickten Cyanotypie-Lösung! Was ich auch schätze: Man braucht keine Hitzequelle für die Färbung.
  • Weil diese Färbe- und Drucktechnik so überaus schnell und einfach geht. Die beiden Salze mit kaltem Wasser anrühren und mischen, und schon hat man eine Lösung, die den Stoff (oder das Papier) sensibel für UV-Licht macht! Im Sommer, im Sonnenlicht, dauert die Belichtung ca. 15-20 Minuten. Im Winter, sogar bei bedecktem Himmel, kann man auch draußen arbeiten. Die Belichtung dauert dann 1 Stunde oder länger. Aber man kann auch mit einer Höhensonne arbeiten: Da geht es super schnell in ca. 10 Minuten.
  • Weil keine andere Technik Fotografien so schön und so einfach auf Stoff bringt. Gerade der Bildtransfer bietet einen fantastischen Kontrast zu den vielen anderen textilen Techniken.
  • Weil der Kontrast zu anderen textilen Techniken so attraktiv ist! Das zieht Beobachter an! Das Berliner Blau (oder Preussisch Blau) der Cyanotypie ergibt einen wunderbaren Kontrast zu fast allen anderen Farben. Und die fotografisch genauen Abbildungen der Cyanotypie kontrastieren mit den vielen Färbe- und Drucktechniken, die man kennt, wenn man Stoffgestaltung liebt.

Wofür lässt sich Cyanotypie auf Stoff einsetzen?

  • Wie schon im letzten Abschnitt angeführt: zum Beispiel in textilen Collagen und Art Quilts, in Zusammenhang mit anderen Pflanzendrucken. Oder um einen Tagesablauf auf Stoff zu protokollieren. Oder um eine Art Erzählung visuell darzustellen.
  • Für Accessoires, wie Taschen und Schals. Dafür sind die geeigneten, speziellen Stoffe interessant, die der Cyanotypie noch einmal ihren besonderen Reiz verleihen: Samt, Cordsamt, Seidenstoffe, kräftige Leinenstoffe, Baumwollstoffe mit Struktur .. all dies verzaubert eine Cyanotypie auf besondere Weise.
  • Für Heimdeko, wie Kissen, Decken, Tischläufer. Das Blau der Cyanotypie passt in jede Art von Einrichtung. Für solche Arbeiten sind nicht nur Fototransfers interessant, sondern auch der direkte Pinselauftrag oder der Siebdruck mit einer angedickten Cyanotypielösung.
  • Für Bekleidung und Schals. Größere Bekleidungsstoffe lassen sich mit attraktiven Shiborimustern versehen, zum Beispiel für Strandbekleidung oder sommerliche Oberteile.

Techniken für Cyanotypie

Sobald das Licht und die Sonne wieder da sind, gibt es in den sozialen Medien eine Flut interessanter Beispiele und neuen Ideen! Die Möglichkeiten der Cyanotypie sind so vielfältig, dass es kein Wunder ist, dass sich Künstler und Kreative seit vielen Jahrzehnten damit beschäftigen. Die folgende Aufzählung ist also sicherlich nicht vollständig!

  • Direkte Auflage von flachen (gepressten) Pflanzen, Gegenständen und Masken (Silhouetten). Alles Dreidimensionale wirft Schatten und ergibt keine klaren Kanten, aber vielleicht interessante Drucke. Also ausprobieren!
  • Bedruckte Folien, z.B. mit eigenen Fotos, Zeichnungen, Briefen, Frottagen, Monoprints, Drucken, Malereien …
  • Selbst bemalte Folien mit schwarzer Acrylfarbe oder schwarzen Acryl-Stiften
  • Färbungen mit flüssiger Cyanotypielösung
  • Druck (z.B. Siebdruck) oder Malerei mit angedickter Cyanotypielösung.

Cyanotypie nur auf trockenem Stoff!

Damit die Auflagen (Pflanzen oder Folien) sich unter dem UV-Licht bewegen, beschwert man sie in der Regel mit einer Glasscheibe oder Plexiglasscheibe. Bei einem feuchten Stoff bilden sich darunter Tröpfchen und Flecken, das Blau entwickelt sich selten schön. Und die tollen Effekte der „Wet Cyanotypie“ auf Papier, die ich ausgesprochen liebe, erscheinen nicht auf Stoff.

Ich habe es nicht geglaubt. Habe es aber glauben müssen, nachdem ich es selbst ausprobiert hatte. Auf Stoff also nur mit wirklich gut durchgetrocknetem Gewebe.

Im Folgenden beschreibe ich kurz die Besonderheiten des Vorgehens, wenn man Cyanotypie auf Stoff durchführt sowie die Pflege eines Cyanotypiestoffs.

Den Stoff für die Cyanotypie vorbereiten

Das prinzipielle Vorgehen für Papier und für Stoff ist gleich: Die beiden Lösungen werden nach Rezept hergestellt. Einzeln lassen sie sich eine Zeitlang auch gelöst lagern (kühl und dunkel). Aktiv wird die Lösung erst, wenn man die beiden Lösungen mischt. Dann sollte sie innerhalb von 1-2 Tagen verbraucht werden.

ACHTUNG: Man kann durchaus mit gedämpftem Lampenlicht arbeiten. Zwar enthält auch das Licht durch die Fensterscheiben UV-Anteile, aber wenn man nicht direkt am Fenster arbeitet, sondern weiter im Raum, reagiert die Flüssigkeit nur langsam.

Es lohnt sich aber, sich vorzubereiten und dann konzentriert und zügig zu arbeiten. Ausreichend Flüssigkeit für die Stoffe sollte vorhanden sein und das Handwerkszeug sollte bereitliegen. Hast du Tisch und Boden abgedeckt? Hast du dir überlegt, wo und wie du deine Stoffe trocknen wirst und schon alles vorbereitet?

Eintauchen: kleinere Formate und leichtere Stoffe (z.B. Batist) tauchen wir in die aktive Lösung ein. Gut eignen sich flache Schalen, wie z.B. Fotoschalen oder Pflanzschalen. Man drückt den feuchten Stoff gut aus.

Beschichten. Schwerere Stoffe beschichtet man mit einem Schwammpinsel oder Pinsel. Die Lösung muss den Stoff nicht durchdringen.

Den vorbereiteten Stoff trocknen

Im Sommer trocknet der Stoff schnell, kann aber schon über Nacht durch die Wärme eine leichte Reaktion zeigen. Das beeinflusst jedoch den Cyanotypiedruck in der Regel nicht.

Wenn man auf einem Wäscheständer trocknet, den Boden unbedingt abdecken! Die gut ausgedrückten Stoffe knapp kantig aufhängen und möglichst im Dunkeln trocknen lassen (z.B. Bad). Wir trocknen oft auch liegend, unter einem mit einem Laken abgedeckten Tisch. Wichtig: Unterlage aus Plastik und der Boden sollte flach und ohne Muster sein.

WICHTIG! Den feuchten Stoff schön glatt ziehen, denn man darf den trockenen Cyanotypiestoff natürlich nicht bügeln!

Vorbereitete Stoffe lagern

Sobald der Stoff trocken ist (er muss wirklich ganz durchgetrocknet sein!), sollte er lichtgeschützt und kühl gelagert werden (siehe unten). Sensibilisierte Stoffe können bis zu 3 Wochen oder, unter optimalen Bedingungen, noch länger gelagert werden. Am besten liegend.

  • Absolut trocken. Feuchtigkeit im Stoff oder in der Umgebung lässt den Stoff reagieren und produziert Flecken.
  • Lichtdicht. Der sensibilisierte Stoff muss absolut lichtdicht gelagert werden, zum Beispiel in einem schwarzen, dichten Karton (am besten in Folie, da die Inhaltsstoffe mancher Papiere/Kartons die Cyanotypie reagieren lassen), in einer schwarze, lichtdichten Folie oder eingewickelt in Alufolie.
  • Kühl. Auch Wärme kann den Stoff zu Reaktion bringen. Am besten für die Aufbewahrung ist eine kühle Umgebung.
  • Dennoch: Manchmal ergeben sich trotz aller Bemühungen Reaktionen: Der Stoff dunkelt nach, oft ungleichmäßig. Nach unserer Erfahrung kann man ihn dennoch gut verwenden, aber am besten nicht lange warten.

Cyanotypie ist waschbar, aber nur mit einem pH-neutralen Waschmittel!

Die meisten Waschmittel sind alkalisch. Wird eine Cyanotypie damit gewaschen „erbleicht“ sie, und man kann den Druck nur noch mit einer starken Teelösung wieder erwecken. Allerdings nicht mehr blau, sondern braun. Wascht eure Cyanotypie also mit einem Colorwaschmittel.

WICHTIGE LINKS

Die vielen WORKSHOP ZUHAUSE, die wir für das Thema Cyanotypie angefertigt haben, sind zurzeit nicht lieferbar. Aber alle können Sie als Skript ohne Material bestellen.

WORKSHOPS VOR ORT


Färben/Drucken mit dem Berliner Blau der Cyanotypie und das Arbeiten mit Folien für selbst gestaltete Stoffmuster, zeigen wir am 13. – 15. März 2026 in Mannheim.


Aus diesen selbst gestalteten Stoffen und unserem Stoff-Fundus erstellen wir textile Collagen für ein textiles Buch in japanischer Bindung.TEXTILES BUCH BORO

Einen schnellen Einstieg ins Thema, speziell für Stoffbegeisterte, zeigen wir am Sonntag, 17. Mai 2026 auf der NADELWELT in Karlsruhe. Veranstalter ist die NADELWELT, d.h. bitte über die NADELWELT anmelden. Anmeldeschluss ist der 1. Mai 2026.

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