Linoldruck hat nicht überall den besten Ruf. Manche halten die Herstellung der Druckplatte für mühselig, andere die Drucke für selten anwendbar und manchmal höre ich auch, dass Linoldrucke als steif wahrgenommen werden. In diesem Beitrag möchte ich euch zeigen, wie vielseitig Linoldruck sein kann und wie viel Spaß man dabei haben kann!
Schon das Schneiden der Platte macht Spaß!
Wer denkt, dass das Schneiden der Platte nur eine mühselige Vorstufe des Druckens ist, kann die Freude des Herstellens nicht erleben. Dieser Herstellungsprozess kann nach einem stressigen Tag zu einem regelmäßigen Erholungsprozess werden, wenn man sich mit dem richtigen Werkzeug in eine ruhige Ecke setzt und mit Bedacht kleinere oder größere Druckstöcke schnitzt.
Richtiges Werkzeug

Man braucht dazu scharfe Schneidewerkzeuge. Es gibt hervorragende, wie die überall gelobten Schneidewerkzeuge des Herstellers PFEIL, die aber natürlich ihren Preis haben. Das wird sich nur lohnen, wenn du bei dieser Technik bleibst.
Für alle anderen, die erst einmal probieren wollen, können wir die Schneidewerkzeuge von ABIG empfehlen. Überschaubar, sicher und gut. Wenn sie mit der Zeit stumpfer werden sollten, lassen sie sich mit einem feinkörnigen Schleifpapier wieder schärfen.
Halte auf alle Fälle auch einen Cutter und ein Metall-Lineal oder ein Geodreieck mit Metall-Schneidekante bereit. Damit schneidet man die Endgröße des Druckstocks beziehungsweise Stempels zu.
Wichtig ist auch das richtige Material! Es gibt inzwischen nicht nur die üblichen Linolplatten, die manchmal nicht ganz einfach zu schneiden sind, vor allem, wenn sie länger lagern. Ein Tipp: Vorsichtig im Backofen erwärmen, dann schneiden sie sich einfacher.
Leichter schneiden sich alle Platten, deren Mischung durch ein „soft“ gekennzeichnet ist. Das einfachere Schneiden kann allerdings den Nachteil haben, dass das Material beim Bearbeiten etwas nachgibt, und die Schnitte nicht ganz so präzise ausfallen wie bei einem härteren Material. Aber ich glaube, das ist ein Problem, das sich vor allem sehr fortgeschrittenen Künstlern stellt.

Ganz neu sind softe, transparente Platten, bei denen das Übertragen des Motivs entfällt (LINK). Super praktisch: Man legt die Vorzeichnung einfach unter die Platte und kann dann ganz gemütlich schneiden. Super praktisch auch, wenn man Drucke mehrfarbig schichten und dafür mit mehreren Platten arbeiten möchte.
Das Schneiden selbst kann zur meditativen Beschäftigung werden
Eine ruhige Ecke, das richtige Werkzeug und das genussvolle Herstellen eines Druckstocks oder Stempels. Aufmerksam, bedacht und mit den Gedanken ganz beim Tun – so entstehen nach und nach Linolschnitte mit eigenem Stil. Und gleichzeitig kommst du abends zur Ruhe, mit wenig Werkzeug und wenig Platzbedarf. So etwas lässt sich auch im Sommer auch prima im Garten oder auf dem Balkon machen.
Stempel, Druckstock – was ist der Unterschied?
Unter Stempel versteht man in der Regel ein Druckrelief, das – mit Farbe versehen – von oben auf das Papier oder den Stoff gedrückt wird. Das hat auch etwas mit der Größe zu tun: Damit ein Stempeldruck gut gelingt, darf der Stempel nicht zu groß sein, sonst reicht die Kraft nicht aus.
Ein Druckstock aus Holz oder anderem Material ist in der Regel größer. Einen Handdruck erhält man dadurch, dass er auf dem Tisch mit dem Relief nach oben liegt und mit Farbe berollt wird. Darauf wird das Papier gelegt, darüber ein Schutzpapier. Der eigentliche Druck entsteht, indem mit einem Werkzeug (Baren, Handabreiber, Falzbein usw.) kräftig darüber gerieben wird. Der Ablauf hat also Ähnlichkeiten mit einem Gelliprint.
Größere Arbeiten werden oft mit Linolpressen gedruckt, die gar nicht mal so teuer sind, sich aber nur lohnen, wenn man tiefer einsteigt. Mit solchen Pressen kann ein gleichmäßiger Druck von oben ausgeübt werden.
Was kann man mit all diesen Stempeln und Druckplatten machen?
Aufwendig geschnitzte Platten oder mehrfarbige Drucke sind für Serien gedacht. Eine kleine Serie könnte zum Beispiel als Einladungskarte diesen, als Weihnachtsgruß oder ähnliches. Kleine Serien für die Wand könnten auf Märkten oder Weihnachtsbasaren angeboten werden.
Ich liebe Stempel aus Lino-Material, weil sie schnell gemacht und so vielseitig einsetzbar sind. Wenn man möchte, kann man sie auf einen einfachen Sperrholzzuschnitt kleben. Ich verwende meine Stempel in der Regel unmontiert.
Außer zum direkten Drucken setze ich sie bei folgenden anderen kreativen Techniken ein:
- für Frottagen
- für die Siebgestaltung für Monoprints mit dem Sieb (Acryl-Breakdown)
- für die Siebgestaltung für Breakdown Printing mit angedickten Procion MX, ebenfalls eine Monoprint-Technik
- für die Farbentnahme auf einer Gelliplatte
- und für einen Technik-Mix, z.B. beim Aquarellmalen oder mit Schriftgestaltung
Je größer der Stempelfundus, desto größer die Möglichkeiten und desto größer der Spaß!
Linoldruckfarben?
Die meisten Linoldruckfarben sind heutzutage wasserbasiert, d.h. sie sind nicht waschbar und nur bedingt im Anschluss an den Druck kolorierbar. Aber wenn der Stoff später nicht gewaschen werden soll, kann man natürlich darauf drucken und ihn als interessanten Hintergrund nutzen.
Linoldruckfarben sind zäh, sodass sie schöne, scharfe Ränder ergeben und auch feinste Schnitte und Schraffuren abbilden. Man sollte sie lange und sorgfältig auf einer Palette ausrollen, bis sie einen geschmeidigen Film ergeben und dann hauchzart und dennoch satt aufgetragen werden können. Dabei hilft eine gute Hartgummirolle.
Wenn zu deiner Linoldruckfarbe auch ein Medium (LINK) angeboten wird, greif zu. Ein Medium (oder Binder oder „transparent“) ist ein tolles Mittel, um eine Farbe durchscheinender zu machen (vergleichbar mit dem Wasser bei Aquarellfarben), ohne ihren Flüssigkeitsgrad zu verändern. Dadurch lassen sich tolle Druckschichtungen übereinander erreichen. Besonders wirkungsvoll mit flächigen Stempeln!

Unsere DERIVAN-Linoldruckfarben haben einige spezielle Farben, die es nicht überall gibt. Zum einen das transparente Medium, von dem ich schon vorher gesprochen habe. Zum anderen Gold und Silber, was ich als totale Bereicherung empfinde. Und schließlich Neon-Farben, mit denen sich fantastische Akzente drucken lassen.
Linoldruckfarben nicht nur für Linoldrucke!
Mit Linoldruckfarben kann man viel Spaß haben, denn sie eignen sich für viele andere Vorhaben auf Papier. Teste sie zum Beispiel für Pflanzendirektdruck oder für deine anderen Stempel (egal aus welchem Material)! Für solche Vorhaben empfehlen wir nicht die Hartgummirolle, sondern eine mit einer weichen Gummimischung. Damit lassen sich auch leicht unebene Druckoberflächen gut einfärben.

Auch auf der Gelliplatte lassen sich mit Linoldruckfarben fantastische Ergebnisse erzielen! Und natürlich auch auf jedem anderen Untergrund für Monoprint, angefangen von Plastiktüten über Moosgummi bis hin zu Glas- und Acrylglasplatten.
Der Vorteil der wasserbasierten Linoldruckfarbe ist, dass man sie so schnell und einfach von den Werkzeugen abbekommt. Lass die Farbe nicht eintrocknen, sondern reibe sie zunächst mit Papier oder einem alten Lappen ab (Restmüll), dann entferne den Rest mit etwas Wasser und einem kleinen Spritzer Spülmittel.
Waschbare Linoldrucke mit Künstlerölfarbe
Ölfarbe für die Malerei – es gibt nichts Besseres! Einfach aus der Tube – vielleicht nicht zu weich – aber ich habe mit allen möglichen gearbeitet. Alle haben funktioniert, wenn man sie so sorgfältig ausrollt wie oben bei der Linoldruckfarbe beschrieben. Das ergibt einen feinen Farbfilm, der sich mit jeder Art von Stempel – inklusive Blättern – hervorragend drucken lässt und auf Stoff kaum härtet.
Reibecht ist der Druck meist schon nach wenigen Stunden. Aber du solltest ihm Zeit für die Waschechtheit Zeit lassen. Die Fixierung erfolgt an der Luft (Oxidation) und kann nicht beschleunigt werden. Nach etwa vier Wochen kann der Stoff heiß gewaschen oder überfärbt werden!
Auch die Säuberung der Werkzeuge ist kaum aufwendiger als bei wasserbasierten Farben. Zunächst einfach abwischen, wie oben beschrieben. Farbreste werden mit einem (abgelaufenen) Speiseöl verdünnt und abgerieben (Restmüll). Der Rest wird mit etwas warmem Wasser und einem Spritzer Spülmittel vollends entfernt. Einfacher, als eine fettige Pfanne zu spülen.
Was geht noch?
Alle Stempel kann man natürlich auch mit Stempelkissen aller Art drucken. Stempelkissen für Textilien brauchen unserer Erfahrung nach für die Trocknungszeit etwas länger und sollten – vergleichbar mit Stoffmalfarben – nach dem Trocknen gebügelt werden, damit sie später vorsichtig gewaschen werden können. Richtet euch nach den Angaben des Herstellers.
Und dann natürlich Acrylfarben. Sie sollten zähflüssig sein, so wie sie aus der Tube kommen. Wenn es sich nicht um Bekleidung handelt, kann man mit ihnen bedenkenlos auf Stoff drucken. Einfach gut durchtrocknen lassen (vier Wochen), dann lassen sich auch solche Drucke vorsichtig waschen.
Da der Binder von Acrylfarben weicher ist als der von Linoldruckfarben, verwende zum Auftrag den weicheren Roller. Er nimmt solch weichen Farben (auch Textil-Acrylfarben wie Stoffmalfarben und Dekaprint) besser auf und gibt sie auch optimal auf den Druckstock ab, sodass sie nicht in die Vertiefungen des Reliefs fließen.
Unsere Empfehlungen
In unserem Shop haben wir alles zusammengefasst, was wir an gutem Material für den Linoldruck und anderen Farben anbieten (LINK).
Wir wünschen dir viel Spaß beim Herstellen der Druckplatten und bei dem vielseitigen Experimentieren mit ihnen.