Braucht man mehr als eine Gelplatte und mehr als eine Farbwalze?

Braucht man mehr als eine Gelplatte? Benötigt man mehr als eine Farbwalze? Noch im Spätsommer hätte ich gelacht, wenn mir jemand diese Frage gestellt hätte. Nein, hätte ich geantwortet, eine Platte und eine Walze reichen völlig aus.

Heute würde ich etwas detaillierter antworten. Für den Einstieg und ein seltenes Arbeiten reichen eine Platte und eine Farbwalze völlig aus. Man kann viel Spaß damit haben und schöne Drucke damit herstellen. Mehrere Platten und mehrere Rollen (und Zeit und Lust sie zu nutzen) bieten mehr Möglichkeiten und somit noch mehr Spaß!

Wie kommt es zu dieser Meinungsänderung?

Obwohl wir Platten und Farbwalzen im Verkauf anbieten, neigen wir nicht dazu, unseren Kundinnen und Kunden irgendwelche Produkte aufzuschwatzen. Anders ist es, wenn wir von etwas überzeugt sind. Dann versuchen wir zu erklären, warum es sich lohnen könnte, den Artikel zu erwerben.

Meine Meinungsänderung kam langsam. Sie begann damit, dass ich beim Spaziergang durch das Internet auf die Seite einer australischen Druckerin geriet, die vor einer Wand in ihrem Atelier stand. Und diese Wand war über und über bedeckt mit Farbwalzen unterschiedlicher Hersteller, verschiedener Größen und Formen. Meine erste Reaktion war: „Was soll das denn???“. Denn bisher hatte ich eigentlich nur mit einem einzigen, eher kleinen Roller und manchmal noch mit einem Schaumstoffroller gearbeitet, egal bei welcher Technik. Das schien mir durchaus ausreichend.

In einem Blogartikel ging die Künstlerin auf ihre opulent ausgestattete Wand mit Farbwalzen ein. Sie erklärte, wozu sie diese eine Walze verwendet und wozu sich der andere Roller als besonders praktisch erwiesen hatte. Das leuchtete mir ein, und ich begann, mich mit Farbwalzen und deren Ausstattung näher zu beschäftigen

Farbwalzen und das Material

Gut, ich bin viele Jahre mit einer einzigen Walze ausgekommen. Aber inzwischen schätze ich eine gewisse Auswahl, denn ich weiß nun mehr über Härte, Gummimaterial und den Wert verschiedener Größen.

Zuerst hat mich das Material, aus dem die ESSDEE-Walzen gefertigt sind, begeistert. Nach Jahren des Einweichens und Schrubbens, um eingetrocknete Acrylfarben vom Gummi herunter zu bekommen, habe ich entdeckt, dass sich Acrylfarbe von diesen britischen Walzen fast von selbst löst, sogar wenn sie längere Zeit eingetrocknet ist. Man darf nur diese Oberfläche nicht verletzen.

Linoldruckwalzen sind halt tatsächlich für Linoldruckfarbe gedacht, die länger offen bleibt und sich auch angetrocknet noch mit warmem Wasser und Spülmittel gut säubern lässt. Die größere Härte des Materials dient dazu, die besonders dünne Farbschicht so auf den Druckstock zu bringen, dass überschüssige Farbe nicht in die Vertiefungen des Stempels geraten kann. Also andere Farbe, andere Technik, andere Farbwalze.

Farbwalzen und ihre Größe

Die Größe (bzw. Breite) einer Farbwalze stimmt man am besten auf die Größe des Stempels bzw. der Gelplatte ab und auf die Technik, mit der man arbeiten möchte.

Für die Breite unserer kleinsten Platte (fast 13cm) und der quadratischen (etwas mehr als 15cm) würde ich die große ESSDEE-Walze empfehlen (15cm), wenn man vor allem Pflanzendrucke und sonstige flächige Techniken ausführen möchte.

15cm eignen sich auch hervorragend für DIN A4-Gelplatten. Diese breite Walze lässt sich außerdem ausgezeichnet zum Andrücken des Papiers auf die Farbe verwenden.

Die Walze von 7,5cm ist sehr vielseitig, aber sie kann bei flächigem Farbauftrag auch mal unerwünschte Texturen in der Farbe hinterlassen. Ich finde das nicht weiter schlimm, weil das einem langweiligen Farbauftrag Rhythmus verleihen kann. Aber man muss es wissen.

Seit ich mich mehr mit Mixed Media auf der Platte und anderen experimentellen Techniken beschäftige, habe ich mir eine schmale Farbrolle zugelegt, weil damit kleinere Farbaufträge so gut gelingen. Diese kleine Größe von 5cm Breite hatte ich früher nicht weiter beachtet, jetzt nehme ich sie mit Freude zur Hand, wenn ich präzise arbeiten möchte.

Warum mehr als eine Platte?

Meine Lieblingsplatte hat das Format 12,7×17,8cm und ist damit etwas kleiner als das Papierformat DIN A5. Das ist praktisch, weil man Papierformate DIN A4 schnell in DIN A5 teilen kann. Und weil das Papier etwas größer als die Platte ist, man es einfach abziehen kann, ohne Farbe an die Finger zu bekommen.

Bis vor kurzem hat mir eine Platte völlig gereicht. Aber seit ich mich mit Mixed Media auf der Gelplatte beschäftige, muss ich zunehmend mit Wartezeit rechnen. Wartezeit fällt z.B. an,

  • wenn Fluid Acrylfarbe oder Open Acrylfarbe trocknen muss oder eine Farbe, die mit Retarder gemischt wurde.
  • wenn ein Fototransfer-Druck mit dem Papier gut durchtrocknen muss, damit das Papier ohne zu Reißen abgezogen werden kann.
  • wenn flüssige Farbe, Farbspray oder Wasser für spezielle Effekte eingesetzt wird.
  • wenn mit Stempelkissen auf der Gelplatte experimentiert wird.
  • wenn Farbe mit Pinsel oder Schwämmchen auf die Gelplatte aufgetragen werden.
  • wenn mit einem leichten Papier (wie z.B. Seidenpapier oder Dan Xuan) mehrere Schichten Farbe abgezogen werden soll. Für ein gutes Gelingen gebe ich dem Trocknungsprozess gerne viel Zeit.

Manchmal habe ich wenig Zeit zum Warten, manchmal bin ich ungeduldig, manchmal schwirren mir mehrere Ideen durch den Kopf, die ich gleich verwirklichen möchte. Ja, aus all diesen Gründen benütze ich inzwischen mehrere Platten gleichzeitig.

Zusätzliche Gelplatte als Farbpalette nutzen

Wenn man auf einer Gelplatte Farben mischt, kann man die Reste ausrollen, abziehen und gleich für einen Hintergrund benutzen. Das ist wirklich sparsam!

Oft ist die richtige Menge an Farbe schwer zu bestimmen, weil die richtige Menge nicht nur davon abhängt, wie viel Farbe aus der Tube kommt, sondern auch von der Farbe selbst (transparente Farben sind flüssiger), von der Luftfeuchtigkeit und von der Temperatur. Viel einfacher ist es, die Farbe nicht direkt auf die Druckplatte zu geben, sondern zunächst auf eine Palette und von dort aus auf die eigentliche Druckplatte. Auch dafür eignet sich die zusätzliche Platte ausgezeichnet.

Und schließlich: Gibt man zu viel Farbe auf seine Druckplatte, kann man sie mit dem Roller leicht wieder abnehmen. Normalerweise rollt man sie auf Abfallpapier ab. Aber stell dir vor, du rollst sie auf einer Gelplatte ab. So bekommst du nach und nach feine, transparente Schichten auf deine Zusatzplatte, die du für weitere Drucke nutzen kannst! Einzigartige, fein geschichtete Farbverläufe, fantastisch!

Zusätzliche Gelplatten für weitere kreative Experimente nutzen

Ich weiß, Geduld zu zeigen im kreativen Prozess ist wichtig. Nicht nur, damit wir ihn entspannt genießen können. Sondern auch, um Gedanken und Ideen zu sammeln und Notizen festzuhalten. Dies braucht seine Zeit, und ich plädiere sehr dafür, auch diese zu schätzen.

Dennoch: Wenn ich über 15 Minuten warten muss, bis es weiter geht, dauert mir eine solche Pause zu lange. Ich werde ungeduldig. Und viele der Punkte oben brauchen mehr als 15 Minuten Wartezeit, um interessante Ergebnisse zu erreichen. Da kommen nun meine zusätzlichen Platten zum Einsatz.

Ich kann darauf Variationen meines Hauptdruckes erproben mit anderen Farben oder anderen Techniken. Mit schnellen Verfahren stelle ich interessante Collagenpapiere her, einfach so, zum Spaß und zur Erholung. Drucke mit Pflanzen und selbst gemachten Masken gehen immer. Und schöne Hintergründe auch. Wartezeiten so genutzt machen Freude!

Gleiche Formate oder andere?

Ich arbeite besonders gerne auf den rechteckigen Platten, die die Größe von etwas kleiner als DIN A5 aufweisen (siehe oben). Deshalb, weil man damit so schnell Experimente durchführen und Erfahrung sammeln kann. Auch deshalb, weil sich diese Größe so gut für Journals aller Art eignet.

Ausschnitt aus einem Journal: Bildtransfer mit der Gelplatte – Motiv vom Rhein/Mannheim (Foto Uwe Gerdts)

Wenn man regelmäßig mit denselben Formaten arbeitet, bekommt man schnell ein Gefühl für die richtige Farbmenge und die jeweiligen Wartezeiten.

Für Abwechslung und zur Herstellung größerer Collagenpapiere habe ich mir vor kurzem eine DIN A4-Platte schenken lassen. Außerdem reizt es mich sehr, endlich auch größere Pflanzendrucke herzustellen und mit größeren Collagen zu experimentieren. Mein Rat also: Wenn möglich sowohl ein ähnliches Format als auch ein anderes. Und bald ist ja auch Weihnachten …

Link zu unserem Geldruck-Sortiment

Von den kreativen Möglichkeiten der Gelplatte bin ich begeistert! Immer wieder stoße ich auf Neues, teilweise durch Anregungen aus dem Internet, teilweise durch eigenes Arbeiten.

Wir bieten deshalb ein kleines, ausgesuchtes und erprobtes Sortiment für Gelprint an und werden es immer mal wieder ergänzen.

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