Unsere 6 besten Tipps für Cyanotypie

Wenn man für Cyanotypie nicht gerade bereits beschichtete Stoffe kauft (das ist zwar bequem, aber doch kostspielig), steht man vor der Aufgabe, das selbst zu tun. Da wir dazu immer wieder Fragen erhalten oder Befürchtungen zerstreuen müssen, beantworten wir in diesem Post die 5 häufigsten Fragen.

Rezept für eine Cyanotypielösung

Du benötigst dafür zwei Salze: Das grüne Ammoniumeisen (III)-Citrat und das rote Kaliumhexacyanidoferrat (III), die zunächst getrennt in zwei sauberen Schraubgläschen mit kaltem Wasser aufgelöst werden.

Rezept für 250ml Gesamtlösung: Gib in das erste Gläschen 125ml kalten Wasser und 25g der grünen Komponente. Gib in das zweite Gläschen ebenfalls 125ml kaltes Wasser und 10g der roten Komponente. Beide Gläschen deutlich Beschriften und mit einem Datum versehen. So getrennt können diese beide Lösungen kühl und dunkel etwa ein halbes Jahr gelagert werden. Die Lösung wird erst dann lichtempfindlich, wenn sie zu gleichen Teilen in einem weiteren Behälter gemischt wird. Dann sollte sie aber dunkel abgedeckt und schnell – innerhalb von einem Tag etwa – verbraucht werden.

Wie beschichte ich?

Zunächst gießt du die einzeln aufgelösten Flüssigkeiten zu gleichen Teilen in ein weiteres Gefäß. Jetzt ist die Flüssigkeit aktiv und beginnt zu reagieren. Sie reagiert sowohl auf UV-Licht als auch auf Wärme. Aber nicht so schnell, wie befürchtet. Wir beschäftigen uns im nächsten Kapitel damit.

Mein Bruder taucht den Stoff lieber in die Flüssigkeit (Einmalhandschuhe!) und drückt ihn dann gut aus. Ich finde es am einfachsten, die Stoffe in eine Schale (z.B. etwas größer als DIN A4) zu legen und sie mit einem Schwammpinsel oder einem Flachpinsel zu beschichten. Für unseren Kurs auf der NADELWELT habe ich drei gleich große Stücke Baumwollpopeline aufeinander gelegt, den obersten Stoff mit einem gut getränkten Schaumstoffpinsel beschichtet, dann das Stoffpaket umgedreht und auch den jetzt oben liegenden Stoff. Der mittlere Stoff in diesem Sandwich bekam so ausreichend Flüssigkeit ab.

Brauche ich eine Dunkelkammer?

Die meisten Fragen ergeben sich daraus, wie dunkel das Zimmer bei der Beschichtung und bei der Trocknung sein muss. Ich kann eine kleine Entwarnung geben: So super schnell reagiert die lichtempfindliche Lösung nicht. Und wenn man nicht direkt an einem lichtdurchfluteten Fenster arbeitet, ist das Beschichten, zum Beispiel in der Küche oder im Bad, kein Problem.

Ich empfehle, den Ablauf zu durchdenken und alle Materialien und Werkzeuge vorzubereiten, damit du zügig arbeiten kannst. Hektisch brauchst du aber nicht zu werden, denn die Flüssigkeit reagiert in einem dämmrigen Raum langsam. Am besten, du ziehst Vorhänge vor und sorgst für schwache Beleuchtung.

Das Trocknen

Ein trockener Untergrund sorgt für die besten Ergebnisse und klarsten Drucke. Papier trocknet sehr schnell, in ca. 10-15 Minuten. Stoffe brauchen länger. Wie lange, hängt von der Temperatur, der Luftfeuchtigkeit und natürlich auch vom Stoffgewicht ab. Wir beschichten am liebsten gegen Abend, sodass wir am Morgen die trockenen Stoffe abnehmen können.

Optimal ist ein kleiner Wäscheständer zum Klappen, den man auf die Badewanne stellen kann. Wir stellen einen solchen unter einen Tisch, der mit Decken von allen Seiten bis zum Boden abgedeckt wurde. Das ist also unsere kleine, selbst hergestellte „Dunkelkammer“ für die Trocknung. Mit normalen Wäscheklammern habe ich die drei Stoffe, die jede Teilnehmerin im NADELWELT-Kurs erhalten hatte, knappkantig zum Trocknen aufgehängt.

Den Boden schützen! Da die feuchten Stoffe noch Farbe abgeben, die auf den Boden tropft, schützt man diesen am besten mit einem Malervlies (Abdeckvlies). Man bekommt das entweder im Baumarkt oder über das Internet. Oben besteht das Vlies aus einem saugfähigen Vlies, unten aus einer Folie, die das Durchdringen der aufgefangenen Farbe verhindert. Es ist nach dem Trocknen wiederverwendbar.

Kann man auf Vorrat beschichten?

Ein beschichteter Stoff kann mehrere Wochen gelagert werden, wenn er

  • absolut trocken ist
  • völlig lichtgeschützt und
  • kühl gelagert wird.

Für den Lichtschutz eignet sich zum Beispiel das Verpacken in Alufolie, das Lagern in einem schwarzen Karton oder einem dickeren, schwarzen Müllbeutel. Denke bitte daran, dass auch Feuchtigkeit und höhere Temperaturen Einfluss nehmen können.

Braucht man immer Sonnenlicht?

Nein. Im Sonnenlicht, vor allem in der Mittagssonne, wenn das Licht direkt senkrecht von oben kommt, ergeben sich kräftige, schnelle und schattenfreie Resultate. Aber sogar im Winter, bei bedecktem Himmel, kann man bei entsprechend langer Belichtung, schöne Drucke erreichen.

Cyanotypie, Fotodruck, auf Seide

Dieser erste Cyanotypieversuch meines Bruders Fritz entstand vor vielen Jahren im Januar einfach am offenen Fenster! Ich liebe diesen Pflanzendruck (Seide) immer noch!

Aber natürlich darf es nicht regnen! Wirklich unabhängig von den Wetterverhältnissen wird man mit einer Höhensonne, die man z.B. über ebay-Kleinanzeigen preiswert erhält. Mit dem Philips HB 311 sind wir sehr zufrieden. Er hat eine Zeitschaltuhr und ist sehr einfach zu bedienen.

Unter sein Licht lassen sich zwei Cyanotypien im Format DIN A4 legen. Die Belichtungsdauer beträgt etwa 12 Minuten. Wir legen das Gerät quer ab auf zwei Pakete rechts und links von den beiden Cyanotypien. Das Licht kommt dann von oben in einem Höhenabstand etwa 30cm. Das noch austretende Licht wird mit Kartons abgedeckt, damit keine Augenschäden auftreten können. Alles also ganz einfach und auch zu Hause durchführbar.

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